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Alte Tradition in neuem Gewand – Sonderpreis für den „Roten Husar“

by Jens Roemling
Beitragsbild Erzleben Tradition in neuem Gewand

Das Erzgebirge steht für einzigartige Natur, liebenswerte Menschen und für Erzgebirgische Holzkunst®. Schwibbögen, Pyramiden aus Holz und natürlich die klassischen Nussknacker-Figuren sind erzgebirgische Kulturgüter, die sich bis heute größter Beliebtheit erfreuen. Die Entstehung dieser Holzkunst, wie wir sie kennen, geht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der Ur-Ur-Urenkel des Erfinders der Nussknacker-Figur mit rotem Wams, der „Rote Husar“, Markus Füchtner, führt seit 2017 in 8. Generation das Geschäft seiner Vorfahren in Seiffen. Vergangenes Jahr hat er das Original seines Ur-Ur- Urgroßvaters Wilhelm Füchtner in einer Sonderedition wieder zum Leben erweckt. Markus Füchtner gewann damit sogar den Sonderpreis der Erzgebirgssparkasse für außergewöhnliche Traditionspflege beim Wettbewerb „Tradition und Form“ des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. Wie der Gewinn dabei geholfen hat, sein Geschäft durch die Pandemie zu retten, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ein erzgebirgisches Kulturgut – Original Füchtner

Original Füchtner in Seiffen ist ein familiengeführtes Unternehmen, das seine Wurzeln im 18. Jahrhundert hat. Gotthelf Friedrich Füchtner verkaufte damals schon auf dem Dresdner Striezelmarkt seine Holzfiguren. Wilhelm Füchtner, Gotthelfs Enkel, hat diese Begeisterung für Holz geteilt. Er war eigentlich Zimmermann, der im Sommer sehr hart arbeitete. Doch in den Wintermonaten lag die Arbeit für seine Zunft brach und er musste sich auf anderem Wege Geld beschaffen. Aus übrig gebliebenem Holz fertigte er Figuren, die er später verkaufte. Aus dieser Not ist eine Tugend geworden. Er verbesserte sein Handwerk immer weiter und um 1870 entstand DER Nussknacker, der die typischen Holzfiguren bis heute prägt: der „Rote Husar“.

Wilhelm Füchtner (c) Original Füchtner - Werkstatt alter Volkskunst
Wilhelm Füchtner (c) Original Füchtner - Werkstatt alter Volkskunst


Erzgebirgische Holzkunst® in 8. Generation

Markus Füchtner übernahm 2017 das Geschäft von seinem Onkel, bei dem er damals auch seine Lehre absolvierte. Schon in seiner frühesten Kindheit war die Holzwerkstatt Mittelpunkt seines Lebens. Alle Familienfeiern fanden hier statt, er sah seinem Vater und Onkel dabei zu, wie sie aus einem Holzklotz Figuren formten und schnell war seine Leidenschaft für die Holzspielzeugmacherei geweckt. Während seiner Ausbildung lernte er seine heutige Frau kennen, die auch Holzspielzeugmacherin ist und Markus Füchtner heute in der Werkstatt perfekt ergänzt: Sie ist die Malkünstlerin in der Werkstatt und schenkt den Figuren ihr Gesicht. Auch bei neuen Designs ist ihr Rat gefragt.

Markus Fuechtner bei den Tagen der erzgebirgischen Folklore
Markus Füchtner bei den Tagen der erzgebirgischen Folklore

Die Macht der gemeinsamen Leidenschaft

Jubiläen waren bei der Familie Füchtner nie eine große Sache. Doch den 150-jährigen Geburtstag des Füchtner-Nussknackers wollte der heutige Geschäftsführer zu etwas Besonderem machen – nur wusste er nicht genau, wie er das anstellen sollte. Auf einer Veranstaltung rund ums Thema Holzkunst trat Matthias Macht, ein leidenschaftlicher Sammler erzgebirgischer Volkskunst, an Markus Füchtner heran. Er zeigte Markus Füchtner einen der ersten von Wilhelm Füchtner gefertigten Nussknacker. Ein ganz besonderes Original.

Daraufhin war die Idee für das Jubiläum geboren – eine limitierte Neuauflage des „Roten Husaren“. Gefertigt nach alter Tradition: Markus Füchtner stellte nämlich alle 150 Stück mit den Methoden seines Ur-Ur-Urgroßvaters her: Die gleiche schlanke Silhouette, der gleiche Bart aus grauem Kaninchenfell und die Füße aus spezieller Modelliermasse geformt.

Roter Husar

"Diese alte Tradition zu spüren und diese Figur in den Händen zu halten, ist eine Ehre.“

- Markus Füchtner


Es hat sich gelohnt. Binnen kurzer Zeit waren alle 150 Figuren verkauft. Ein großer Erfolg, der Markus Füchtner inspirierte, bis 2027 jedes Jahr eine weitere der acht klassischen Nussknacker-Figuren seines Ur-Ur-Urgroßvaters neu aufzulegen. Seine Erstauflage, den „Roten Husar“ reichte er 2020 beim Wettbewerb „Tradition und Form“ des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. aus Olbernhau ein und gewann den von der Erzgebirgssparkasse bereitgestellten Sonderpreis. Die Jury würdigte vor allem die unglaubliche Traditionspflege, die in diesem Werk steckt.

Würdigung des Kunsthandwerks mit Tradition

Gemeinsam mit der Erzgebirgssparkasse bietet der vor 31 Jahren gegründete Verein Kunsthandwerker*innen und Spielzeughersteller*innen aus dem Erzgebirge mit diesem Wettbewerb eine Plattform, um ihre neuen Kreationen vorzustellen. Der Verband definiert sich selbst als Dachorganisation der Hersteller*innen Erzgebirgischer Holzkunst® und anderen Produkten traditioneller Handwerkskunst. Trotz, oder gerade wegen der Pandemie, fand auch 2020 „Tradition und Form“ bereits zum 25. Mal statt. Wie jedes Jahr gab es zwei Hauptpreise. Zum einen gewann die Kreation der Seiffener Volkskunst eG, der Drehbaum TWIST, eine Neuinterpretation eines alten erzgebirgischen Motivs. Der zweite Hauptpreis ging an die Emil A. Schalling KG und ihre „erzclique“. Bei dieser Arbeit werden traditionelle Motive mit neuen Formen und Materialien interpretiert. Die Figuren sind aus Holz, Glas und Acrylglas in fließenden geometrischen Formen dargestellt. Zusätzlich wurde auch noch der Publikumspreis vergeben. Gewonnen hat Ralf Zenker, der sich zum ersten Mal bewarb, mit einem großen Bienenkorb zum Räuchern. Er leitet seit 2017 den Familienbetrieb in Seiffen und ist stolz darauf. Sein „Honigdäbbel“ hat es dem Publikum zurecht angetan. Auch die Erzgebirgssparkasse vergab, wie jedes Jahr, einen mit 500 Euro dotierten Preis. Dieser ging an Markus Füchtner und seinen „Roten Husar“. Die Presse berichtete darüber und in der Werkstatt des Holzspielzeugmachers stand das Telefon nicht mehr still.

"Diese Aufträge haben mein Geschäft durch die Pandemie gerettet!“

- Markus Füchtner


Markus Füchtner möchte das Geschäft später einmal an seine Söhne weitergeben und die Tradition so fortführen. Denn Erzgebirgische Holzkunst® umfasst nicht nur die Herstellung von Holzfiguren. Sie erzählt eine Geschichte von Handwerk, Tradition und Leidenschaft.

Gemeinsam für das Traditionshandwerk

Das Erzgebirge steht auch in dieser schweren Zeit zusammen. Die Holzkunst und Spielzeugmacherei geht im Erzgebirge auf eine lange Tradition zurück. Viele Unternehmen widmen sich bereits seit Generationen diesem Handwerk und der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. möchte, dass das so bleibt. Der Wettbewerb dient zur Sichtbarmachung und Ehrung der Betriebe und aller Handwerker*innen und Künstler*innen. Deshalb war die Verleihung gerade während Corona ein sehr wichtiges Zeichen. Auch 2021 wird der Wettbewerb wieder stattfinden. Die erste Jurysitzung ist für Ende Juni geplant. Wir können also gespannt sein, welche wundervollen Kreationen uns dieses Jahr wieder erwarten.

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Schlagwort: Sponsoring
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