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Popella: Genusshandwerk seit über 100 Jahren

by Cindy Britsche
Popella Genusshandwerk Beitragsbild

Haustiere hätte sie keine – aber das Kühlhaus hinge ja voll. Ein Gespräch mit Christin Popella ist ein Genuss und eine Überraschung. Die Mittdreißigerin war 2008 die jüngste Fleischermeisterin Sachsens. Ihr Genussgeschäft in Aue wurde bereits dreimal zur besten Metzgerei im Bundesland gekürt. Ihr „Wurststollen“ zieht Leute aus Deutschland und der Welt ins Erzgebirge. Aber Christin wird lieber geduzt. Wir haben die unprätentiöse Inhaberin von Popella Genusshandwerk besucht, mit ihr über Fleisch und Vegetarier gesprochen, über Nachhaltigkeit und Heimat, über Corona und, wie Social Media und mobiles Bezahlen einer Fleischerei durch die schwierige Zeit geholfen haben. Das Video findet Ihr am Ende des Artikels.

Vom Krimi bis zur Erzgebirgssparkasse – alle lieben Popella

Das Genusshandwerk Popella ist ein Familienunternehmen, das bereits seit über 100 Jahren diesen Namen trägt und noch länger in den heutigen Räumlichkeiten in Aue zu finden ist. Seit 2019 führt Christin Popella das Unternehmen. Die Mutter eines sechsjährigen Sohnes, ihr Partner, Papa, Mama, die Oma und vier Angestellte packen täglich mit an. Sie alle eint derselbe Anspruch: Respekt vor dem Tier und vor dem Lebensmittel Fleisch. Genuss statt Fleischturm. In der Heimat verwurzelt und trotzdem modern.

Die Qualität der Waren, der Mittagssnacks und des Popella Caterings hat sich herumgesprochen. Christin und ihr Team versorgen das Drehteam des ZDF-Erzgebirgskrimis ebenso wie die hungrigen Kollegen der umliegenden Unternehmen, auch die der Erzgebirgssparkasse in Aue. Die energiegeladene Fleischermeisterin gibt immer Vollgas: Morgen halb vier klingelt der Wecker und ihr Arbeitstag endet nicht selten nach 19 Uhr. „Oft schlafe ich ein, wenn ich meinen Sohn ins Bett bringe. Ich schlafe vielleicht wenig, aber dafür zufrieden ein“, erzählt sie uns.

Popella: Modernes Genusshandwerk mit Familientradition

Vielleicht übernimmt ihr Sohn irgendwann die Familientradition, denn schon heute ist er lieber in der Küche als „vor der Glotze“. Letztes Weihnachten kochte der Knirps ein Drei-Gänge-Menü. Die Geschichte von Popellas beginnt mit der Familie der Urgroßmutter und dem eingeheirateten Urgroßvater mit dem oberschlesischen Namen. Auch die Ureltern und die Oma haben bereits mehr angeboten als eine „normale“ Fleischerei und für ihre Kunden regelmäßig gekocht. „Heute ist es so, dass Popella nichts zuerst mit Metzger zu tun hat, sondern mit Handwerk und Genuss“, erklärt uns Christin ihr Selbstverständnis. Ihr kunstvolles Catering ist auch so viel mehr, das Auge isst hier mit. Jedem Kunden und jedem Appetit begegnet sie individuell: Auch Vegetariern und Veganern zaubert sie etwas. „Für mich gehört Fleisch zur Ernährung dazu, aber ich respektiere eine andere Haltung genauso.“

Dieser Respekt ist auch ein Respekt vor dem Leben, vor dem Lebensmittel, vor dem Handwerk. Bei Popella legen Christin und ihre Familie großen Wert auf eine stressfreiere Schlachtung – eine Massentierhaltung wie in einigen Betrieben lehnt sie ab. „Wir wissen genau, wo unser Fleisch herkommt. Man darf nie den Respekt vor dem Tier verlieren. Es hat für uns gelebt und dafür bin ich sehr dankbar“, betont die Chefin. Und so sieht es auch in der Theke aus: Ein „gutes Stück“ liegt einzeln auf einem Teller. Statt Fleischtürmen gibt es Platz und Raum. „Mit jedem Kauf treffen wir Entscheidungen – am besten natürlich bewusst. Wer die Hintergründe kennt, kauft nachhaltig und regional ein. Warum soll ich mir was bestellen, was mehr von der Welt gesehen hat als ich?“

Gemeinsam gegen Corona

Diese Moral, diese Solidarität und Nachhaltigkeit beherzigt Christin aber nicht nur bei ihren Produkten, Lieferketten und Mitarbeitern. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 richtig Schwung aufnahm und nur noch wenige Geschäfte öffnen durften, ruhten sich Christin und ihre Familie nicht darauf aus, einer der letzten offenen Läden zu sein. In einer unruhigen Nacht kam sie auf die Idee des „Notgroschens“: Die geöffneten Firmen sollten für diejenigen Spenden sammeln, die schließen mussten. Schnell wurden die Medien aufmerksam und andere Läden in Aue schlossen sich an. So kamen im Laufe der letzten Monate 66.000 Euro zusammen, wovon 50 Betriebe profitierten. Alles freiwillig, unkompliziert und mit viel persönlichem Engagement. „Dahinter steckt aber auch der Gedanke: Eine Innenstadt kann auch ohne Corona aussterben und Amazon rettet uns bestimmt nicht den Arsch“, fügt Christin noch an.


Aber auch firmenintern hat Christin die Bedrohung durch Corona von Anfang an ernstgenommen. In ihrer Familie gibt es Risikopatienten, sie sei sensibilisiert für das Problem. Prozesse wurden umgestellt, aus großen Hochzeits-Caterings wurden „Dinner for two“. Auch das Bezahlen sollte hygienischer werden. Ihren langjährigen Kunden Tino Römisch, Mitarbeiter der Erzgebirgssparkasse, schrieb sie an einem Sonntagabend, wie schnell so ein Kartenterminal bei ihr sein könnte. „Herr Römisch kommt seit Jahren als Kunde zu mir und hat immer wieder gefragt, ob er nicht mit Karte bezahlen kann“, erinnert sich Christin lachend. Steter Tropfen höhlt den Stein! Wie der Zufall es wollte, hatte die Erzgebirgssparkasse Geräte auf Lager. So konnte bereits 2 Tage später hygienisch und kontaktlos bei Popella bezahlt werden. „Im ersten Monat kamen dann so viele Belege zusammen, dass ich den Stapel nicht mehr zwischen Daumen und Zeigefinger bekommen habe“, erklärt die Unternehmerin. Und dieser Trend wurde nicht nur bei ihr sichtbar: Viele Fleischereien und Bäckereien haben in dieser Zeit ein Kartenlesegerät eingeführt und damit gute Erfahrungen gesammelt. Das sorgt für mehr Sicherheit, weniger Abrechnungsstress und einem Plus an Hygiene.

Kreativ, modern und heimatverbunden

So jemand wie Christin steckt den Kopf nicht in den Sand, sie baut daraus Burgen. Ihre Kreativität äußert sich im exklusiven Geschmack des Schachtschinkens oder des Wurststollens, der sie weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht hat. Christin erinnert sich: „Im November 2013 waren zwei Reporter der BILD bei uns zu Besuch. Auf dem Tisch stand unser Wurststollen, den wir damals fertig entwickelt hatten. Am nächsten Tag war in Sachsen Buß- und Bettag und wir hatten eine ganze Seite in der Bundesausgabe der Zeitung. Da war an Feiertag nicht mehr zu denken, das Telefon glühte und mich erreichten 3.000 neue E-Mails.“ Doch statt schnell das große Geld verdienen zu wollen, lockte sie die Fans des Wurststollens nach Aue. Noch heute begrüßt sie deshalb Kunden aus aller Welt.


In ihrer Ausbildung kam Christin viel in der Welt herum, doch sie wusste, gebraucht wird sie in der Heimat. Aber vermutlich braucht sie auch das Erzgebirge: Hier, nicht auf Pinterest, findet sie ihre Inspirationen und achtet darauf, was die Natur vor ihrer Haustür an Geschmack zu bieten hat. Dieses Auge fürs Detail und ihre Kreativität findet man auch auf den Social-Media-Auftritten wieder: Selbstgeschriebene Texte laden zum Schmunzeln ein und auch die Fotos der leckeren Köstlichkeiten macht Christin selbst. Die Kunden nehmen es dankbar an und finden auf Facebook und Instagram bei Popella immer wieder etwas Leckeres, Ungewöhnliches, Erfrischendes.

Popella Genusshandwerk ist mehr als eine Metzgerei. Mit kunstvollem Handwerk zaubern Christin und ihr Team kulinarische Höhepunkte. Statt altbackenem „Immergleich“ entstehen aus der krisenerprobten Familientradition heraus immer wieder neue Ideen. Das wird belohnt: Von der Fachpresse, aber besonders auch von den Kunden, von denen manche seit über 70 Jahren zu Popella gehen. Ein Generationenwechsel, von dem man sich „eine Scheibe abschneiden“ kann.

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