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Erzgebirgs­sparkasse

Wie funktioniert Erben? Schon heute an morgen denken!

by Cindy Britsche
Beitragsbild Generationsberatung

Inhaltsverzeichnis

Erben und Vererben ist ein Thema, mit dem man sich quasi nie auseinandersetzt, wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Wir finden, das muss nicht sein! Damit du im Fall der Fälle nicht überfordert bist, erklären wir dir die wichtigsten Punkte und zeigen dir, wie du vorsorgen kannst und wie wir dich dabei unterstützen!

Philipp, 26, aus Annaberg-Buchholz fragt:
Mein Großvater ist vor über einem Jahr verstorben. Mittlerweile habe ich damit meinen Frieden geschlossen. Meine Eltern hängen leider immer noch in der Bürokratie um das Erbe fest. Es gab weder Vollmachten noch ein Testament. Bis jetzt war mir nicht klar, wie anstrengend dieser Zettelkram zusätzlich zum Verlust eines Familienmitgliedes sein kann. Ich bin Vater und würde meinen Kindern diesen Stress gerne ersparen und schon jetzt an morgen denken. Was muss ich dabei alles beachten?

Sparkasse antwortet!
Lieber Phillipp, vielen Dank für die Frage und zuallererst unser aufrichtiges Beileid für deinen Verlust. Was deine Frage angeht, beweist du sehr viel Weitsicht, dich jetzt schon mit diesem Thema zu befassen. Deinen Kindern den Stress zu ersparen ist leichter als vermutet. Es gibt viele Handlungsmöglichkeiten, wie du dein Erbe gestalten und dein Lebenswerk an deine Hinterbliebenen weitergeben kannst! Komm doch gerne mal in einer Filiale in deiner Nähe vorbei. Wir gehen auf deine individuelle Situation ein und überlegen uns für dich eine Strategie für den Fall der Fälle!

Portrait Cindy Britsch

Cindy Britsche, Erzgebirgssparkasse

Das Thema Generationenmanagement ist besonders wichtig. Wir wissen, dass es manchmal nicht leicht ist, sich damit auseinanderzusetzen. Genau das macht es umso wichtiger. Viele Menschen wissen weder, welche Handlungsmöglichkeiten sie haben, um ihr eigenes Lebenswerk genauso weiterzureichen, wie sie es sich wünschen, noch wie genau sie dabei vorgehen sollten. Gerade junge Menschen setzen sich sehr selten damit auseinander, weil das Thema verständlicherweise nicht sehr präsent ist. Wir haben mit Kay Bonitz, Berater im Generationenmanagement der Erzgebirgssparkasse gesprochen und Antworten auf wichtige Fragen rund um dieses Thema eingeholt!

Kay Bonitz

Berater bei der Erzgebirgssparkasse

Kay Bonitz

Wieso sollte man das Thema angehen?

Jeder kennt das Testament oder die Patientenverfügung, wenn die geregelt sind, ist meistens schon viel geschafft. Laut einer Studie haben aber ca. drei Viertel der Bevölkerung keine Regelungen getroffen und in den Fällen, in denen es Regelungen gibt, sind die meisten nicht mehr aktuell und führen nicht zum gewünschten Ziel. Hast du schon mal darüber nachgedacht, was wäre, wenn du gestern gestorben wärst? Häufig wird vergessen, welche Belastung eine Erbschaft für die Hinterbliebenen sein kann, wenn es beispielsweise wegen der fehlenden Regelungen zu bürokratischem Mehraufwand oder zu Streitigkeiten innerhalb der Familie kommt. Das Ganze auch noch während man eigentlich trauert. Nach mir die Sintflut? Das geht auch anders! Wir helfen dir dabei.

Warum du das Thema angehen solltest, ist ganz klar: Du willst deinem Nachwuchs keinen Scherbenhaufen hinterlassen, sondern sicherstellen, dass dein Lebenswerk genau in deinem Sinne weiterverteilt wird und ihnen möglichst viel bürokratische Arbeit abnehmen, indem du selbst regelst und festlegst.

Wie funktioniert erben?

Stirbt ein Mensch, steht die Frage, wem sein Nachlass zufällt. Falls die verstorbene Person kein gültiges Testament errichtet und festgelegt hat, wer das Vermögen erhalten soll, greift die gesetzlich festgelegte Erbfolge.

Dabei werden zunächst, falls vorhanden, der verbliebene Ehepartner oder die verbliebene Ehepartnerin und die Abkömmlinge berücksichtigt. Sind die nicht vorhanden, kommen die nächsten Angehörigen, die in sogenannte „Ordnungen“ einsortiert sind, zum Zug:

  1. Ordnung: Alle Personen, die vom Verstorbenen abstammen.
  2. Ordnung: Eltern des Verstorbenen und alle Personen, die von den Eltern abstammen.
  3. Ordnung: Großeltern des Verstorbenen und alle Personen, die von den Großeltern abstammen.
  4. Ordnung: Urgroßeltern des Verstorbenen und alle Personen, die von den Urgroßeltern abstammen.

Welche Freibeträge gibt es?

Bei den Freibeträgen ist der Verwandtschaftsgrad der Erben der entscheidende Faktor. Ehe- oder Lebenspartner/-in können einen Freibetrag von 500.000€ nutzen, Kinder immerhin noch 400.000€, Enkel 200.000€. Allen übrigen Personen stehen dann nur noch 20.000€ zur Verfügung.

Steuerklassen: Der Verwandtschaftsgrad entscheidet!

Auch hier ist die Einteilung in die Ordnung entscheiden. Grundsätzlich gilt: Je höher die Ordnung, desto weiter ist der Erbe vom Erblasser oder der Erblasserin entfernt und desto größer ist der Steuersatz der Erbschaftssteuer, der vom Erbe abzuführen ist. Der Steuersatz startet bei kleineren Vermögen bei 7 % und endet bei 30 %. Im hohen Millionenbereich kann der Abzug sogar bis zu 50 % betragen. Der Steuersatz greift natürlich nach den im nächsten Abschnitt folgenden Freibeträgen.

Beispiel

Hannas Mutter ist gestorben. Ihr Vater lebt nicht mehr, Hanna hat noch einen Bruder Felix. Die Mutter hatte ein Vermögen von 100.000 EUR. Erben werden Hanna und Felix zu gleichen Teilen. Die je 50.000 EUR liegen innerhalb des Freibetrags. Es fällt keine Steuer an.

Würden Hanna und Felix dagegen den gleichen Betrag von ihrer Tante Emma erben, würde beiden nur ein Freibetrag von jeweils 20.000 EUR zur Verfügung stehen. Von den übrigen 30.000 EUR müssten Hanna und Felix 15% Steuern abführen. Gut, wenn Tante Emma frühzeitig das Gespräch sucht.

Im Rahmen der Generationenberatung können wir alternative Möglichkeiten suchen. Zwar bietet die Erzgebirgssparkasse weder Rechts- noch Steuerberatung an. Wir können jedoch erste Ideen entwickeln und im Anschluss auf ein Netzwerk zurückgreifen, zu dem neben Steuerberatern auch Notare und Rechtsanwälte zählen.

Schenkungen – Je früher man anfängt, desto besser!

Neben der Höhe der Summe ist vor allem die vergangene Zeit bei Schenkungen entscheidend. Hier gelten die gleichen Freibeträge wie zuvor beim Erbe, wenn seit der Schenkung allerdings weniger als 10 Jahre vergangen sind, wird sie zum Erbe hinzugerechnet. Diese Zeitspanne ist recht groß und ein weiterer Grund sich schon früh mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Kann man Schulden erben?

Das kann durchaus passieren, allerdings kann man ein Erbe grundsätzlich auch ausschlagen. Wichtig ist hier, dass dies innerhalb von 6 Wochen der Inkenntnissetzung geschehen muss. Es ist also empfehlenswert sich möglichst schnell einen Überblick über das potenzielle Erbe zu verschaffen. Dazu ist es eine sehr gute Idee rechtliche Unterstützung, z.B. in Form eines auf Erbrecht spezialisierten Anwalts, in Anspruch zu nehmen, da die Generationenberatung der Erzgebirgssparkasse weder Rechts- noch Steuerberatung beinhaltet.

Erbschaft oder Vermächtnis, was ist besser?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Festhalten kann man allerdings, dass ein Vermächtnis eine schöne Gestaltungsmöglichkeit ist, um ungünstige Konstellationen durch das Entstehen von Erbengemeinschaften zu vermeiden. Die Abwicklung eines Erbes kann mit viel Aufwand verbunden sein. Es hilft, wenn sich die Erbengemeinschaft grundsätzlich einig ist und an einem Strang zieht. Sollte dies nicht so sein oder in einem aus anderen Gründen sehr komplexen Erbschaftsfall, hat man mit einem Vermächtnis die Möglichkeit, die Situation schon im Voraus zu entschärfen. So kann beispielsweise nur eine Person als alleiniger Erbe oder alleinige Erbin eingesetzt und die genaue Verteilung des Vermögens auch mit Hilfe von Vermächtnissen ergänzt werden. Hier kümmert sich dann nur der alleinige Erbe oder die alleinige Erbin um die Abwicklung des Erbes und um die Verteilung des Vermögens im Sinne des Verstorbenen. Wir beraten dich gerne und finden gemeinsam mit dir im Gespräch heraus, welche Schritte für dich wirklich wichtig sind.

Was ist Erbschaft, was ist Vermächtnis? In einem Testament kann eine Person Erben/Erbinnen einsetzen und einzelne Vermächtnisnehmer deklarieren. Ein Erbe oder eine Erbin hat einen gesetzlich geregelten Teilanspruch auf die Erbschaft, während einem Vermächtnisnehmer oder einer Vermächtnisnehmerin nur ein bestimmter Nachlassgegenstand (ein Geldbetrag oder ein Gegenstand) vermacht wird, der von ihm von dem Erben oder der Erbin eingefordert werden muss. Mit einem Vermächtnis kannst du also jemandem etwas zukommen lassen, ohne die Person zum Erben oder zur Erbin zu machen.

Generationenberatung, was kann die Erzgebirgssparkasse leisten?

Vielen Kundinnen und Kunden ist verständlicherweise die Frage wichtig, was nach dem Tod mit den verbleibenden Vermögenswerten geschieht. Wir sind uns der großen persönlichen Bedeutung des Themas für jeden einzelnen Menschen bewusst. Hier setzen wir mit der Generationenberatung im Rahmen unserer ganzheitlichen Beratung an.

Wir wissen, dass es schwer fällt, aber die Frage „Was wäre, wenn ich gestern gestorben wäre?“ sollte sich altersunabhängig jeder einmal stellen. Gern auch mit unserer Hilfe. Das führt oft zu sehr unerwarteten Antworten.

Vollmachten und Verfügungen: In jedem Alter wichtig!

In vielen Fällen sind Vollmachten und Verfügungen ein guter Gesprächseinstieg. Auch für junge Menschen ist es in vielen Lebenssituationen unerlässlich, Vorsorgevollmachten parat zu haben. Ohne diese kann man in manchen Notfällen nicht einmal vom eigenen Lebenspartner/der eigenen Lebenspartnerin oder den eigenen Kindern vertreten werden. Im Krankheitsfall ist eine Patientenverfügung von allergrößter Wichtigkeit, um festzuhalten, welche Behandlungsmöglichkeiten gewünscht sind und welche nicht. Besonders junge Eltern sollten zudem regeln, wer das Sorgerecht bekommt, wenn bei einem Todesfall minderjährige Kinder zurückbleiben. Auch wenn diese Themen noch weit entfernt erscheinen, ist es dennoch wichtig auch auf sehr unwahrscheinliche Ereignisse vorbereitet zu sein.

Vermögensnachfolge – Wem gebe ich was?

Schwerpunkt der Generationenberatung ist natürlich, wem du dein verbleibendes Vermögen vermachen willst und wem nicht. Ohne vorherige Organisation nehmen die Dinge im Ernstfall viel zu oft einen anderen Lauf, als sich der Erblasser oder die Erblasserin, also die oder der Verstorbene, gewünscht hat. Auch die Themen Freibeträge und Steuern im Erbfall sind vielen Kunden und Kundinnen unbekannt. Unsere Priorität ist in erster Linie das Informieren, um unseren Kunden eine bestmögliche Entscheidungsfindung zu ermöglichen.

Die folgenden Fragen stellen wir uns gemeinsam mit unseren Kundeinnen und Kunden:

  • –  Welche Personen aus dem familiären oder persönlichen Umfeld sind wichtig?
    –  Wer soll einen Teil vom Vermögen erhalten und wer auf keinen Fall.
    –  Wer soll den Nachlass abwickeln?

Absicherung der Hinterbliebenen: Wie gehe ich vor?

Die meisten Menschen möchten, dass zunächst die Lebenspartnerin oder der Lebenspartner das gesamte Vermögen weiterführt, um den Ruhestand und gegebenenfalls Pflegekosten stemmen zu können. Wir können aber natürlich auch auf deine ganz persönlichen Vorstellungen und Ziele eingehen. Ein möglicher Grund, nicht alles der Lebenspartnerin oder dem Partner zu überlassen wäre zum Beispiel die Nutzung der Freibeträge.

Testament und Testamentsvollstreckung

Falls ein Kunde oder eine Kundin eine persönliche Vorstellung der Erbschaft hat, die nicht der gesetzlichen Erbfolge entspricht, führt oft kein Weg am Testament vorbei. In einzelnen Fällen können sogenannte „Verträge zugunsten Dritter“ mit Todesfallbegünstigung, also beispielsweise eine Lebensversicherung, ein Mittel zum Zweck sein. Sie gehen allerdings mit einem gewissen Risiko einher, da der Erbe oder die Erbin im Todesfall den Zugriff auf diese Verträge bekommt und die Todesfallbegünstigung möglicherweise widerrufen kann. Das eigene Testament ist oft die bessere Wahl.

Im Ernstfall muss das Testament im Sinne des/der Erblassenden umgesetzt werden. Dazu sind die Erben und Erbinnen verpflichtet. Sind diese dazu aufgrund von Alter, Gesundheit oder Wohnort nicht in der Lage oder sind keine Erben oder Erbinnen vorhanden, wird das schwierig. Als Erblasser kann man im Testament daher auch eine Testamentsvollstreckung anordnen und mit der Abwicklung des Nachlasses jemand anderes als die Erben und Erbinnen beauftragen. Als Service bietet die Erzgebirgssparkasse diese Testamentsvollstreckung falls gewünscht an, um so die Umsetzung der Kundenwünsche auch nach dem Tod sicherstellen zu können.

Stiftungen – Eine gemeinnützige Alternative

Eine Stiftung ist in vielen Fällen die Krönung des eigenen Lebenswerkes und eine Möglichkeit, noch einmal etwas für die Allgemeinheit zu tun. Egal ob anonym oder um einen Namen zu verewigen, in 3 kleinen Schritten und ab kleinen Startbeträgen ist es möglich, eine eigene Stiftung für einen guten Zweck zu errichten und diese als Erbe oder Miterbe einzusetzen. Die Erzgebirgssparkasse hat für solche Fälle die Stiftergemeinschaft der Erzgebirgssparkasse gegründet. Inzwischen haben wir bereits 14 Stiftungen innerhalb dieser Stiftergemeinschaft. Die geförderten Zwecke reichen von der Unterstützung von Kindern über Tier- und Naturschutz bis hin zur Förderung medizinischer Forschung.

Dabei muss es nicht unbedingt eine eigene Stiftung sein. Man kann ebenso bereits bestehende Stiftungen unterstützen und so die eigene Anonymität gewährleisten.

Der Schnellcheck

Wer sich früh mit diesem Thema beschäftigt, hat schon den ersten Schritt gemacht. Folgendes solltest du wissen:

  1. Mit Vollmachten und Verfügungen sorgst du für Notfälle vor und stellst sicher, dass Personen deines Vertrauens Dich unterstützen können und Entscheidungen für Dich treffen dürfen, wenn du dazu z.B. krankheitsbedingt nicht in der Lage bist
  2. Das eigene Testament zu gestalten, gibt dir die Möglichkeit, dein Lebenswerk ganz nach deinen Wünschen weiterzugeben. Es geht also auch darum, deinen Hinterbliebenen unnötigen Stress und Streitereien zu ersparen.
  3. Stiftungen sind eine Möglichkeit, schon mit kleinen Vermögen Gutes zu tun.

Erben kann kompliziert sein – Wir unterstützen dich!

Wenn du dich mit dem Thema beschäftigst, bist du schon einen Schritt weiter als die meisten. Leider wird das Thema sehr unterschätzt. Vermutlich auch, weil es vielen nicht leichtfällt, über diese Eventualität nachzudenken. Mithilfe der Generationenberatung kannst du in deine eigenen Hände nehmen, wie du dein Lebenswerk ganz nach deinen Wünschen weiterreichen kannst. Wir sind stolz darauf, mit unserer Generationenberatung auf die individuellen Wünsche jedes Kunden und jeder Kundin eingehen zu können. Die Resonanz gibt uns recht. Dass die Erzgebirgssparkasse euch auch bei diesem Thema begleitet, hättest du vielleicht gar nicht gedacht. Genau deshalb ist es für uns besonders wichtig, mit dir darüber zu sprechen. Dein Check mit unserem Berater dauert höchstens ein paar Stunden. Fass dir ein Herz, das Thema ist wichtig.

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Schlagworte: Finanzen, Sparen
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